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Debian ist ein freies Betriebssystem (OS - Operating System) für Deinen Rechner. Ein Betriebssystem ist
eine Menge von grundlegenden Programmen, die der Rechner zum Arbeiten benötigt. Der wichtigste Teil eines Betriebssystems ist der Kern (Kernel). Der Kern ist das Programm, das für alle Basisaufgaben und das Starten von anderen
Programmen zuständig ist. Debian ist Kernel-unabhängig. Zur Zeit wird der, von Linus Torvalds ins Leben gerufene, Linux-Kernel verwendet, doch es wird daran gearbeitet, Debian
mit anderen Kernel anzubieten, z.B. unter Verwendung des Hurd.
Das Besondere an Debian gegenüber anderen großen, kommerziellen Distributionen ist, dass Debian GNU/Linux ein Projekt von Freiwilligen auf der ganzen Welt ist, hinter dem keine kommerziellen Interessen stehen. (Fast) alle
Debian-Developer arbeiten in ihrer Freizeit und unbezahlt an diesem Projekt. Die Kommunikation der Entwickler findet hauptsächlich über das Internet bzw. über diverse Mailinglisten statt.
Ein Paar Gründe, die für Debian sprechen:
Paketmangement und Upgradefähigkeit
Das komplette System (oder Teile davon) kann zu jeder Zeit aktualisiert bzw. auf den neuesten Stand gebracht werden, ohne eine Neuinstallation durchführen zu müssen, ohne den Verlust von (eigenen/modifizierten)
Konfigurationsdateien und meistens ohne den Computer neustarten zu müssen. Das Upgrade kann entweder per CD-ROM oder per Netzwerk von einem der über 150 Debian-FTP-Mirror erfolgen.
Entwickelt von freien Programmierern
Während andere Distributionen meistens von kommerziellen Unternehmen oder kleinen geschlossenen Gruppen entwickelt werden, ist Debian die einzige Linux-Distribution die über das Internet entwickelt wird. Debian GNU/Linux wird ausschliesslich von freiwilligen (meist unbezahlten) Menschen auf der ganzen Welt zusammengestellt und gepflegt. Dies hat u.a. den Vorteil, dass keine Release-Daten eingehalten werden müssen bzw. dass es sie gar nicht erst gibt. Ein Debian System wird erst als stabil (stable) deklariert, wenn alle kritischen Fehler behoben sind und das System ausführlich getestet wurde.
System-Sicherheit
Das Debian Security Team reagiert sehr schnell auf Sicherheitslücken. Normalerweise werden sie innerhalb von wenigen Tagen geschlossen und die korrigierten Pakete sofort verfügbar gemacht.
Die Geschichte hat gezeigt, dass das Prinzip 'security through obscurity' ('Sicherheit durch Undurchschaubarkeit') nicht funktioniert. Die Verfügbarkeit des Quell-Codes aller Debian-Pakete und des Linux-Kernels erlaubt es, dass die Sicherheit von Debian GNU/Linux in einer offenen Umgebung, die schlechte Sicherheits-Modelle verhindert, beurteilt werden kann. Ebenso garantiert es, dass die Software von tausenden Menschen auf der ganzen Welt untersucht wird und nicht nur von einem einzigen Unternehmen oder einer geschlossenen Gruppe von Entwicklern. Als Anwender oder Administrator muss man nicht auf den Hersteller warten, bis dieser einen Patch für eine Sicherheitslücke zur Verfügung stellt.
Das Bug Tracking System
Für Debian gibt es ein öffentliches Bug Tracking System (Fehlerdatenbank). D.h. jeder, der einen Fehler (Bug) in einem Paket findet, kann ihn in diesem System melden.
Der Betreuer (Maintainer) des Pakets ist dann dafür zuständig den Fehler zu beseitigen. In den meisten Fällen werden Fehler in wenigen Tagen beseitigt.
Das Bug Tracking System garantiert ausserdem, dass kein Bug unter den Tisch gekehrt oder vergessen wird. Alle Bugs werden dokumentiert und archiviert.
Hohe Qualität
Das Debian Projekt legt sehr viel mehr Wert auf hohe Qualität und Stabilität der Pakete bzw. der gesamten Distribution als auf häufige Neuerscheinungen und Updates. Wenn ein neues Release erscheint sind in jedem Fall alle schwerwiegenden Fehler beseitigt und alle Pakete umfangreich getestet worden.
Die Betreuer (Maintainer) der Pakete haben meistens ein hohes Interesse an der Qualität des von ihnen betreuten Paket, u.a. weil sie es selber einsetzen. Das Ergebnis sind Pakete von hoher Qualität, die von motivierten und technisch versierten Personen erstellt und gepflegt werden. Insgesamt führt dies zu einer hochqualitativen Distribution.
Verfügbarkeit
Debian ist für die verschiedensten Hardwarearchitekturen verfügbar:
Viele andere Architekturen (z.B. sh und hurd-i386) befinden sich zur Zeit noch in der Entwicklung. Ausserdem gibt es noch zwei weitere Projekte: Debian-Beowulf
und Debian for Laptops.
Neben dem Linux-Kernel wird beispielsweise auch der Hurd-Kernel von Debian unterstützt.
Ein Administrator eines heterogenen Netzwerkes hat damit den Vorteil das gleiche Betriebssystem und sogar die gleiche Version auf allen Maschinen betreiben zu können. Dies senkt den Wartungsaufwand deutlich.
Die Debian Policy
Die Debian Policy beschreibt die Mindestanforderungen und Standards für die Debian Distribution. Dieses beinhaltet die Struktur und den Inhalt des
Debian-Archivs, verschiedene Designentscheidungen des Betriebssystems sowie technische Anforderungen, die jedes Paket erfüllen muß, um in die Distribution aufgenommen zu werden.
Dieses Regelwerk wird auf den Entwicklermailinglisten diskutiert und Änderungen werden in Abstimmungen beschlossen. Natürlich ist dieses Verfahren langsamer als der Beschluss einer Geschäftsführung, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass in die Entscheidung wesentlich mehr Meinungen fliessen als sonst üblich.
Sehr viele Pakete
Debian beinhaltet über 3950 verschiedene Software-Pakete. Jedes einzelne Stück ist freie Software.
Support
Es gibt kostenlosen Online-Support über die mehr als 100 verschieden sprachigen Mailinglisten, auf denen fast jede Frage innerhalb von wenigen Stunden
beantwortet wird sowie eine öffentlich zugängliche Fehlerdatenbank.
(Vor)Konfiguration
Jedes Debian Paket ist bereits sinnvoll vorkonfiguriert und sofort nach der Installation einsatzbereit. Die an den Konfigurationsdateien vorgenommenen Änderungen werden bei einem Update beibehalten und nicht überschrieben, gelöscht oder verändert.
Argumente gegen Debian sind meistens subjektiver Natur. Oft wird die Abwesenheit eines zentralen Konfigurations-Tools wie Yast (von SuSE) und die angeblich schwierige Installation bemängelt. Einer der wenigen echten Nachteile ist die relativ lange Zeit, die vergeht, bis neue Programm-Versionen ausreichend getestet wurden und in die stabile Version (stable) aufgenommen werden. Dies wiederum garantiert allerdings eine hohe Qualität der Pakete und da man die Pakete von stable, testing und unstable mischen kann, ist dieser 'Nachteil' für die meisten Leute nicht besonders schwerwiegend.
Debian GNU/Linux wurde von Ian Murdock gegründet. Der Name setzt sich aus seinem Vornamen und dem seiner Frau Debra zusammen. Debian wird 'deb ian' (mit kurzem 'e') ausgesprochen.
Das Debian Projekt wurde offiziell am 16. August 1993 von Ian Murdock gegründet. Er hat dieses Projekt als offenes Entwicklungsprojekt, ganz im Sinne des GNU oder auch des Linux-Kernel Projektes begonnen. Vom November 1994 an wurde das Debian Projekt für ein Jahr vom GNU Projekt der FSF (Freie Software Foundation) gesponsort.
Das erste Debian Release trug die Versionsnummer '0.01'. Ab Version 0.91 gab es ein einfaches Paketsystem. Debian 1.1 wurde im Juni 1996 fertig und trug zum erstenmal einen sogenannten Codenamen: 'Buzz'. Der Name sowie alle späteren Codenamen stammen aus dem Film 'Toy Story'. Die Idee dazu hatte Bruce Perens, der zu dieser Zeit 'Project Leader' war. Debian 1.2 hiess 'Rex' und war im Dezember 1996 fertig. 1.3 (Bo), 2.0 (Hamm), 2.1 (Slink), 2.2 (Potato), 3.0 (Woody) und "sid" folgten.
Frank Ronneburg hat die Geschichte etwas ausführlicher in seinem Debian GNU/Linux Anwenderhandbuch beschrieben.
Woody, sid und sarge sind 'Codenamen' für Versionen der Debian-Distribution. Woody ist die stabile (stable) Version und hat die Versionsnummer 3.0 (derzeit Release 1, 3.0r1 (Stand Dezember 2002)). An sarge (testing) und sid (unstable) wird gerade gearbeitet, wobei sarge als nächstes stable werden soll. Wenn Du nicht gerade experimentieren willst, solltest Du bei woody, also bei stable bleiben.
Auf Debian-FTP-Servern ist jeweils 'stable' ein Link auf woody, 'unstable' ein Link auf sid und 'testing' ein Link auf sarge. Wer unstable verwendet, sollte auch debian-devel lesen.
Die Debian-Server sind in folgende Bereiche unterteilt:
main: Hier befindet sich der Hauptteil des Release, Software die zu 100% den DFSG (Debian Free Software Guidelines) entspricht.
contrib: freie Software, die aber abhängig von "nicht-freien" Paketen ist.
non-free: Software mit Lizenzen, die nicht den DFSG entsprechen.
non-US: Kryptographische und andere Software, die nicht aus den USA exportiert werden darf.
Das Debian Projekt verwendet ein Fehlerverfolgungssystem (BTS) in dem alle Fehler, die von Benutzern oder Entwicklern gemeldet wurden, gespeichert werden. Jeder Fehler bekommt eine Nummer zugewiesen und wird so lange gespeichert, bis er beseitigt ist. Ausserdem haben Bugs verschiedene 'severity levels': wishlist, normal, important, grave, critical und fixed.
Eine Anleitung zur Benutzung des Bug Tracking Systems gibt es hier.
Testing wird erst als stable deklariert, wenn es fertig ist, sprich wenn alle kritischen Fehler behoben sind. Einer der Vorteile von Debian gegenüber kommerziellen Distributionen ist, dass keine Release-Daten eingehalten werden müssen bzw. dass es sie gar nicht erst gibt.
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debian-user-german FAQ
14 Dezember 2004dugfaq at sylence dot net